Nachgefragt: Was ist eigentlich …?

Blut-Hirn-Schranke, antimikrobielle Resistenzen, Real-World-Evidence – was sich dahinter verbirgt, erschließt sich nicht jedem Menschen auf den ersten Blick, betrifft aber sehr viele. Unter dem Titel „Nachgefragt“ beantworten Fachleute aus forschenden Pharma-Unternehmen jeweils drei Fragen. Dabei erläutern sie nicht nur die Begriffe. Sie geben auch Einblick in den neuesten Stand der Forschung in diesem Bereich und erklären, was die Erkenntnisse für das tägliche Leben bedeuten.

Warum sind resistente Keime so gefährlich?

Textfassung - NACHGEFRAGT: Warum sind resistente Keime so gefährlich?

Interview mit:
Caroline Schweizer von Pfizer Deutschland


Was sind eigentlich Keime? Und warum sollten sie besser nicht resistent sein?

Zunächst einmal: Mit Keimen, damit meinen wir ganz oft Bakterien. Und Bakterien an sich sind gar nichts Schlimmes. Ganz im Gegenteil: Sie helfen uns bei vielen körpereigenen Prozessen. Zum Beispiel bei der Verdauung oder beim Immunsystem. Manchmal können Bakterien jedoch auch Infektionen hervorrufen, zum Beispiel eine Lungenentzündung. Und dann sind die Betroffenen davon abhängig, dass diese Bakterien mit Antibiotika behandelt werden. Inzwischen widerstehen jedoch einige Bakterien dieser antibiotischen Behandlung – das heißt, sie sind resistent. Und das Problem hierbei ist: Je resistenter ein Bakterium ist, desto weniger verfügbare Behandlungsoptionen gibt es.


Was bedeutet das für uns?

Es existieren bereits Erregerstämme, die nicht nur gegen ein Antibiotikum, sondern bereits gegen mehrere Antibiotika resistent sind. Ist fast keins der gängigen Antibiotika mehr wirksam, dann spricht man von multiresistenten Erregern. Wenn sich diese weiter ausbreiten in der Zukunft, besteht die Gefahr, dass Infektionen, die wir heute noch sehr gut behandeln können, zukünftig lebensbedrohlich sein können – zum Beispiel eine Wundinfektion nach einem Fahrradsturz. Die Weltgesundheitsorganisation zählt deshalb schon heute antimikrobielle Resistenzen, kurz AMR, zu einer der zehn größten Gesundheitsbedrohungen weltweit.


Können wir denn die Ausbreitung resistenter Keime vermeiden?

Ja, auf jeden Fall. Denn wir alle können unseren Beitrag dazu leisten, dass Antibiotika nur dann eingesetzt werden, wenn sie auch wirklich benötigt werden. Das heißt möglichst sparsam und zielgerichtet und beispielsweise nicht bei einer Erkältung, die oft durch Viren und gar nicht durch Bakterien hervorgerufen wird. Noch besser ist es natürlich, wenn Infektionen gar nicht erst entstehen. Dabei helfen Impfungen – oder ganz einfach regelmäßiges Händewaschen. Und weltweit müssen Forschende in Unternehmen und wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen gemeinsam daran arbeiten, die Entwicklung neuer Antibiotika möglichst schnell voranzutreiben. Hierfür braucht es auch Politik, denn dieser Herausforderung können wir nur alle gemeinsam begegnen.

Was ist eine Blut-Hirn-Schranke?

Textfassung - NACHGEFRAGT: Was ist eine Blut-Hirn-Schranke?

Interview mit:
Dr. Christian Ried von Abbvie Deutschland


„Blut-Hirn-Schranke“ – noch nie gehört? Damit seid ihr nicht allein.

Die Blut-Hirn-Schranke ist sozusagen die Türsteherin des Gehirns – eine kaum durchlässige Barriere. Schädliche Substanzen aus dem Blutstrom können unser Gehirn dank ihr nicht erreichen. Hätten wir die Blut-Hirn-Schranke nicht, könnte uns jeder Schnupfen ins Krankenhaus bringen.


Wichtig ist die Blut-Hirn-Schranke etwa für die Erforschung von Alzheimer-Medikamenten: Diese sollen im Gehirn wirken. Aber …

Aber auch bei Medikamenten sagt die Blut-Hirn-Schranke: Stopp! Was also tun? Entweder muss der Wirkstoff angepasst werden, oder man muss ihm das richtige Outfit verpassen, damit er an der Türsteherin vorbeikommt.


Um Wirkstoffe gegen Krankheiten wie Alzheimer zu entwickeln, muss die Forschung also möglichst gut über die Blut-Hirn-Schranke Bescheid wissen.

Neulich hat ein Forscherteam experimentell zeigen können, dass die Türsteherin mit dem Alter nachlässiger wird. Vielleicht ein Grund dafür, dass neurologische Erkrankungen vor allem im fortschreitenden Alter auftreten? Erkenntnisse wie diese sind neue Ansatzpunkte für die Forschung.