kurz erklärt – der Podcast für Neugierige

Kennt ihr das auch? Ihr macht etwas ganz Alltägliches, und dabei fragt ihr euch plötzlich: Warum ist das eigentlich so? Der vfa-Podcast „kurz erklärt“ geht genau solchen Fragen nach. Die Antworten geben Expertinnen und Experten aus forschenden Pharmaunternehmen, die sich mit dem Thema auskennen.

Warum prüft die Diabetes-Forschung auf Herz und Nieren?

Ständiger Durst kann ein Anzeichen für Diabetes sein. Aber warum eigentlich? In diesem Podcast wird „kurz erklärt“, wie alles zusammenhängt und warum bei Typ-2-Diabetes nicht nur der Blutzucker im Fokus stehen sollte.




Textfassung – kurz erklärt: Warum prüft die Diabetes-Forschung auf Herz und Nieren?

Sprecherin:
Irgendwie habe ich in letzter Zeit viel mehr Durst. Bin ich schwanger? Liegt es am Wetter? Am Stress? Habe ich etwa Diabetes? Ständiger Durst kann ein Anzeichen für Diabetes sein. Aber warum eigentlich?
Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, die zu erhöhtem Blutzucker führt. Bei Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes sind die Zellen im Körper unempfindlich für Insulin geworden. Das stört den Kohlenhydrat-Stoffwechsel. Denn das Hormon Insulin soll eigentlich steuern, dass die Zellen Zucker aus dem Blut aufnehmen – und sich so mit genug Energie versorgen können.
Wenn die Körperzellen den Zucker aus der Nahrung nicht richtig oder gar nicht aufnehmen können, bleibt er im Blut. Der Blutzuckerspiegel steigt und der Körper versucht, den überschüssigen Zucker mit dem Urin auszuscheiden. Der Harndrang nimmt zu und die Betroffenen verspüren mehr Durst. Aber ist das alles?
Dr. Ruth Lohr ist seit 14 Jahren bei Boehringer Ingelheim und arbeitet seit einigen Jahren in der medizinischen Abteilung für Diabetes und Herzerkrankungen.

Dr. Ruth Lohr:
Allein in Deutschland gibt es fast 6 Millionen Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes. Weltweit sind es über 460 Millionen Menschen. Und wenn man Prognosen anschaut, denen zufolge wird sich die Zahl bis zum Jahr 2045 sogar verdoppeln.
Aber nicht nur die Anzahl von Menschen mit Typ-2-Diabetes ist alarmierend, sondern auch die möglichen Folgeerkrankungen der Betroffenen. So kann Typ-2-Diabetes immense Schäden an anderen Organen wie zum Beispiel Herz und Nieren verursachen.

Sprecherin:
Die Nieren funktionieren wie ein Filter, der Schadstoffe aussiebt, die dann über den Urin ausgeschieden werden. So kann ein dauerhaft zu hoher Blutzucker die Nieren nachhaltig schädigen. Aber wirkt sich Diabetes auch aufs Herz aus?

Dr. Ruth Lohr:
Menschen mit Typ-2-Diabetes erleiden vier Mal so häufig eine Herzerkrankung wie Menschen ohne Typ-2-Diabetes, und das Risiko, an einer Herzerkrankung zu versterben, ist doppelt so hoch.

Sprecherin:
Diese Erkrankung kann also nicht nur an die Nieren gehen. Die Erkenntnis, dass es einen Zusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes und Schäden an anderen Organen gibt, hat auch die Forschung verändert.

Dr. Ruth Lohr:
Ja, in der Forschung hat in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden. Über Jahrzehnte hat man sich in der Diabetestherapie auf den sogenannten „Langzeitblutzucker“ konzentriert, den Blutzucker der vergangenen 8-12 Wochen. Aber heute ist dieser Wert nicht mehr der alleinige Maßstab. Bei der Wahl der Typ-2-Diabetestherapie wird inzwischen darauf geachtet, ob Herz oder Nieren bereits geschädigt sind oder es Risikofaktoren für eine solche Schädigung gibt. Die enge physiologische Verzahnung von Stoffwechsel, Herz und Nieren ist das, was uns aktuell in der Forschung beschäftigt.

Sprecherin:
Auch in der Forschung wird also auf Herz und Nieren geprüft. Doch Ausgangspunkt bleibt der erhöhte Blutzucker. Er lässt sich bei Menschen mit Typ-2-Diabetes auf verschiedene Arten senken: Entweder es wird weniger Zucker aufgenommen oder der Zucker wird besser vom Stoffwechsel im Körper abgebaut oder es wird mehr Zucker ausgeschieden.

Dr. Ruth Lohr:
Dieser zuletzt genannte Effekt lässt sich mit einer bestimmten Wirkstoffklasse erreichen. Die sogenannten SGLT2-Inhibitoren wurden mit dem Ziel entwickelt, die Therapie für Typ-2-Diabetes weiter zu verbessern.

Sprecherin:
SGLT2-Inhibitoren?

Dr. Ruth Lohr:
Genau. Sie werden auch SGLT2-Hemmer genannt. SGLT2 heißt ein Eiweiß, ein Protein, das den Zucker aus dem Blut in die Körperzellen transportiert. Wird dieses Protein in den Nieren gehemmt, fördert das die Ausscheidung von Zucker über den Urin. Dadurch nimmt der Blutzucker ab. Und ein positiver Nebeneffekt ist außerdem, dass auch das Gewicht und der Blutdruck so gesenkt werden können.
SGLT2-Inhibitoren können je nach Ausprägung des Typ-2-Diabetes als Einzeltherapie oder auch in Kombination mit anderen Diabetesmedikamenten verwendet werden. Die Substanzklasse hat in den vergangenen Jahren in vielen großen klinischen Studien gezeigt, dass sie auch eine positive Wirksamkeit auf Herz- und Nierenerkrankungen hat. Deshalb kommt diese Substanzklasse jetzt auch bei der Behandlung von chronischer Herzschwäche zum Einsatz.

Sprecherin:
Was Dr. Ruth Lohr von Boehringer Ingelheim da beschreibt, klingt spannend – und verspricht eine bessere Behandlung für Menschen mit Typ-2-Diabetes. Es lohnt sich also offenbar, auf Herz und Nieren zu prüfen.

kurz erklärt – ein Podcast des vfa, der Verband der forschenden Pharmaunternehmen